Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch kirchliches Personal im Erzbistum Bamberg

Zuständigkeit

Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick hat

Dr. theol. Georg Beirer, Praxis für Psychotherapeutische Theologie

Hopfengartenstraße 11, 96120 Bischberg

Telefon:  09 51 / 6 74 22

zum Beauftragten der Erzdiözese Bamberg für die Prüfung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche ernannt.

 

Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick hat folgende Personen in den „Arbeitsstab“ für die Prüfung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche berufen:

Dr. iur. Klaus Kastner, Landgerichtspräsident i. R., Nürnberg

Dr. iur. Johannes Siedler, Justitiar, Erzb. Ordinariat Bamberg

Egon Bernstein, Psychoanalytiker, Bamberg

  Dipl.-Soz.-Päd. (FH) Marlies Fischer, Mitarbeiterin des SKF Bamberg

StRin Agnes Först, Bamberg-Gaustadt

• Otto Rauh, Pfarrer i. R., Altendorf

 

Prüfung und Beurteilung

1.  Die von sexuellem Missbrauch durch Geistliche Betroffenen und andere Personen, die davon Kenntnis erhalten, wenden sich – wenn möglich – direkt an den Beauftragten.

Jede Amtsperson und alle Mitarbeiter im kirchlichen Dienst, die von einem Vorwurf oder Verdacht sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche erfahren, teilen ihre Kenntnis unmittelbar dem Beauftragten mit..

2.  Sobald der Beauftragte von einem Vorwurf oder Verdacht sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche erfährt, führt er ein Gespräch mit der/dem Betroffenen (ggf. zusammen mit den Eltern oder den Erziehungsberechtigten der/des Betroffenen). Zu diesem Gespräch zieht er einen Juristen aus dem Arbeitsstab hinzu. Über dieses Gespräch ist ein Ergebnisprotokoll zu führen, das von allen Anwesenden zu unterzeichnen ist. Gegebenenfalls können weitere Gespräche nötig sein, zu denen auch weitere Personen aus dem Arbeitsstab hinzugezogen werden können; über jedes Gespräch ist ein Ergebnisprotokoll zu führen.

3. Der Beauftragte und der Jurist führen ebenfalls unmittelbar nach Kenntnisnahme des Vorwurfs oder Verdachts ein Gespräch mit dem Verdächtigten. Über dieses Gespräch ist ein Ergebnisprotokoll zu führen, das von allen Beteiligten zu unterzeichnen ist. Gegebenenfalls können weitere Gespräche mit dem Verdächtigten nötig sein, zu denen auch weitere Personen aus dem Arbeitsstab hinzugezogen werden können; über jedes Gespräch ist ein Ergebnisprotokoll zu führen.

4. Ob zuerst mit der/dem Betroffenen oder dem Verdächtigten zu sprechen ist, entscheidet der Beauftragte.

5. Anhand der oben genannten Protokolle informiert der Beauftragte unverzüglich den Erzbischof; in besonders dringenden Fällen unmittelbar nach Kenntnisnahme des Vorwurfs oder Verdachts.

6. Der Erzbischof entscheidet zusammen mit dem Beauftragten und dem Juristen über den weiteren Dienst sowie den Aufenthaltsort des Verdächtigten. Der Ruf des Verdächtigten ist zu wahren.

 

Kirchliche Voruntersuchung

Wenn sich bei der oben genannten Prüfung der Verdacht des sexuellen Missbrauchs erhärtet, ordnet der Erzbischof eine kirchenrechtliche Voruntersuchung gemäß cc. 1717 - 1719 CIC an und ernennt einen „Voruntersuchungsführer“, der Erfahrung im Prozessrecht hat. Diesem sind die Protokolle der oben genannten „Prüfung“ zuzustellen. Bei der Voruntersuchung soll der Voruntersuchungsführer auch ggf. Fachleute aus dem in I. 2. genannten Arbeitsstab hinzuziehen. Nach Abschluss der Voruntersuchung hat der Voruntersuchungsführer dem Erzbischof alle Akten mit einer schriftlichen Beurteilung des Falles vorzulegen. Das Ergebnis der Voruntersuchung ist gemäß MP „Sacramentorum sanctitatis tutela“ der Glaubenskongregation vorzulegen. Diese bestimmt, wie weiter zu verfahren ist. Auch wenn die Voruntersuchung ergibt, dass kein Fall sexuellen Missbrauchs Minderjähriger vorliegt, sind die Akten im Geheimarchiv der Kurie aufzubewahren. Der eventuell geschädigte Ruf des Geistlichen ist wiederherzustellen.

Zusammenarbeit mit staatlichen Strafverfolgungsbehörden

Ist sexueller Missbrauch von Minderjährigen durch einen Geistlichen erwiesen, wird durch den oben genannten Juristen die Staatsanwaltschaft unterrichtet. Dieser ist zusammen mit dem Beauftragten für die Staatsanwaltschaft Kontaktperson.

Hilfen für Opfer und Täter

Parallel zur juristischen und kanonistischen Verfolgung des sexuellen Missbrauchs wird der/dem Betroffenen und ihren/seinen Eltern durch das Erzbistum menschliche, psychologische und seelsorgliche Hilfe angeboten und ermöglicht. In diese helfenden und stützenden Maßnahmen werden alle Personen im Umfeld der/des Betroffenen einbezogen.

Dem Täter werden psychologische und psychotherapeutische Hilfen angeboten, um ihm ein Leben ohne Ausübung seiner sexuellen Störungen zu ermöglichen. Zu einer Therapie wird er in jedem Fall verpflichtet. Auch bei diesen Hilfen für den Täter ist oberstes Ziel, jede Wiederholung zu verhindern.

Kirchliche Strafmaßnahmen

Der Täter wird unabhängig von dem Zivilprozess in Rücksprache mit der Glaubenskongregation durch Strafprozess oder Dekret mit einer Kirchenstrafe belegt. Mit Beginn des Strafprozesses wird er von allen seinen kirchlichen Ämter vorläufig entbunden. Unabhängig vom Strafmaß wird der Bestrafte in keinem Bereich der Seelsorge mehr eingesetzt, in dem er mit Kindern und Jugendlichen in Verbindung kommt.

Öffentlichkeit

Durch den Pressesprecher des Erzbistums Bamberg wird die Öffentlichkeit informiert.

Prävention

Die in den Leitlinien „Zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ genannten Maßnahmen werden unverzüglich in der Aus- und Weiterbildung der Geistlichen im Erzbistum Bamberg umgesetzt.

Entsprechendes Vorgehen bei anderen kirchlichen Mitarbeitern

Für die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im haupt- und nebenamtlichen kirchlichen Dienst wird die oben genannte „Durchführung“ entsprechend angewendet.

Personen, die sich sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig machen oder gemacht haben, werden aus der ehrenamtlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Pfarrgemeinden und kirchlichen Verbänden entfernt bzw. nicht geduldet.

Diese Bestimmungen zur Durchführung der Leitlinien „Zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ im Erzbistum Bamberg treten ad experimentum am 15. November 2002 in Kraft.

Bamberg, 15. November 2002

Ludwig Schick

Erzbischof von Bamberg